Interview mit Victoria von Eynatten – Stabhochspringerin

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Heute gehen wir hoch hinaus , Victoria macht Stabhochsprung, was sie daran faziniert und warum dies das macht erfährst du im Interview.

Name: Victoria von Eynatten
Sport: Stabhochsprung
Facebook-Seitevictoria.voneynatten

„Ich hatte schon immer den Drang zum Besonderen und mir wird schnell langweilig.“

Warum machst du Stabhochsprung, was motoviert dich daran?
Ich muss sagen, angefangen mit Stabhochsprung habe ich eigentlich nur, weil meine großen Schwester das in unserem kleinen Verein LG Leinfelden-Echterdingen (ein Verein mit toller Nachwuchsförderung) einmal ausprobiert haben und was die großen Schwestern machen, möchte die kleine natürlich auch!
Zu Anfang war ich auch ehrlich gesagt recht untalentiert. Mit zarten 10 Jahren war ich einfach noch viel zu klein und schmächtig, um den Stab überhaupt zu kontrollieren.
Nachdem meine Mutter aber meinte, ich könne nicht immer sofort wieder aufhören, nur weil mal etwas nicht auf Anhieb klappt, blieb ich dabei und mit 14 Jahren kam ich in den Landeskader in Baden-Württemberg.
Bis heute fasziniert mich diese Disziplin einfach, weil sie so außergewöhnlich ist. Jeder ist schon einmal 100m gerannt oder in eine Grube gesprungen. Aber wer kann schon sagen, dass er Stabhoch springt =)
Ich hatte schon immer den Drang zum Besonderen und mir wird schnell langweilig. Das Stabhochsprung Training ist so abwechslungsreich wie kein anderes und der perfekte Sprung ist noch niemandem gelungen, weil so viele Komponenten – seien es externe wie Wind und Wetter, der richtige Stab oder körperliche – zusammenspielen müssen. Es gibt also immer etwas wo man noch mehr rauskitzeln kann, um höher hinaus zu fliegen!

Karrierehighlight?
Meine erste internationale Meisterschaft in der Jugend (U20 Weltmeisterschaft in Canada 2010) war ein Moment, den ich nie vergessen werde. Schon die Qualifikation war ein riesen Erfolg für mich, da ich kurz zuvor mein Abitur gemacht hatte und eigentlich etwas Trainingsrückstand hatte. Als ich das geschafft hatte und vor Ort all die Erfolge des deutschen Teams verfolgt hatte, habe ich Blut geleckt.
Als Außenseiter startete ich als sechstbeste in den Wettkampf und gewann letztendlich Silber mit 4,20m hinter der haushohen Favoritin und Jugend-Weltrekordhalterin. Dieser erste internationale Erfolg und der Moment auf dem Treppchen waren wahnsinnig und haben mich unglaublich motiviert mich immer wieder zurück zu kämpfen. Denn darauf folgten viele Saisons geplagt von Verletzungen. Die 4,50m (EM-Norm bei den Erwachsenen), die ich dann nach vielen Verletzungen im letzten Winter sprang, waren mein zweites Highlight und ein unglaubliches Gefühl.

Sportler als Traumberuf?
Ich studiere neben dem Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Deshalb bezeichne ich meinen Beruf eher als Studentin. Vor allem durch meinen Achillessehnenriss im Winter 2015 kurz nach meinem 4,50m-Erfolg, der mich den Start bei der Hallen-EM kostete und meinen Traum von Olympia in weite Ferne rücken ließ, ist mir bewusst geworden, wie schnell der Sport vorbei sein kann und dass man gerade als Leichtathlet, wo man nicht das große Geld verdienen kann, wenn man nicht Weltklasse ist, eine Absicherung braucht.
Trotzdem lebe ich meinen Traum und könnte mir nie vorstellen, einen 8 stündigen Arbeitstag vor dem Computer zu bewältigen.
Ich liebe den Sport, ich liebe meine Trainingsgruppe, ich liebe es an meine Grenzen zu gehen und ich liebe den Adrenalinkick eines Wettkampfes. Darauf freue ich mich am meisten, wenn ich im Sommer wieder teilnehmen darf!

Glücksbringer und Rituale?
Tatsächlich bin ich sehr abergläubisch. Das hat mir in der Jugend aber oft das Genick gebrochen. Auf so etwas darf man sich nicht versteifen! Denn das ist Quatsch und hindert dich nur daran, deine beste Leistung abzurufen, wenn mal etwas nicht wie geplant läuft.
Mit Ritualen sehe ich das anders. Sie helfen mir in den „Tunnel“ zu kommen vor und während dem Wettkampf und mich voll zu fokussieren. Zum Beispiel flechte ich mir zu jedem Wettkampf die Haare. Das entspannt mich, ich bin für diese kurze Zeit nur für mich und es ist mein Zeichen für „Jetzt wird’s ernst“ – vielleicht sowas die Kriegsbemalung =)
Meine Glücksbringer sind meine Familie. Wenn die dabei sind und sie mich von außen anfeuern, pusht das am meisten.

Bist du selbst gerne Zuschauer?
Auf jeden Fall! Bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig im Februar werde ich auch wieder mit dabei sein. Dafür bin ich viel zu neugierig, um das zu verpassen!
Wir sind eine sehr sportbegeisterte Familie. Deshalb habe ich schon von klein auf viele Sport-Wettkämpfe miterlebt. Tennis ist noch eine weitere große Leidenschaft und Familientradition, aber auch Wintersport, die NBA oder Fußball.

Mit welchem Sportler würdest du gerne einen Tag tauschen?
Hmm, ich denke da muss ich ganz klischeehaft Renaud Lavillenie sagen. Ich würde zu gerne einmal spüren, was er spürt während einem Sprung über 6m. Das könnte ich dann auf meinen Sprung übertragen und ich wäre Weltrekordlerin 😉
Er ist einfach ein besonderes Bewegungstalent und noch dazu verrückt genug, um ohne Angst und mit der nötigen Lockerheit hoch zu springen. Das würde ich auch gerne mal erleben.
Aber einen Tag wie Roger Federer erleben und Tennis spielen, wäre natürlich auch was!

 

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