Hans-Peter D – Dreiradsport

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Heute erzählt euch Hans-Peter seine Geschichte, er gewann 2015 Gold bei der Dreirad-WM in Nottwil, musste aber diesen Siege in der Intensivabteilung feiern.

Name: Hans-Peter Durst
Sport: Dreiradsport
Facebookhans.peter.durst.de
Homepagewww.hans-peter-durst.de

„…scannen, lieben lernen und im Kopf für alle Rennsituationen abspeichern…“

Hast du ein Vorbild?

Nein, ich halte nichts von Vorbildern und möchte auch selbst kein Vorbild sein – ich mag manche Sportler, in meinem Fall insbesondere Radsportler mehr als Andere – aufgrund seiner Zielstrebigkeit, seines Trainingsfleißes und seiner so tiefenentspannten freundliche Art würde ich in dieser Kategorie gerne Jan Frodeno nennen – wenn ich es auf meinen Radsport mit Behinderung beziehe sicher Michael Teuber – seine langjährige Konstanz, sein Trainingsfleiß und seine nahezu professionelle Art Paracycling zu betreiben sind sehr beeindruckend.

Wie schwer war für dich der Weg zum WM-Erfolg?

Nun bin ich in 2015 ja nicht zum ersten Mal Weltmeister geworden. 2011 in Dänemark war sicher ein überraschender erster WM-Titel – unglaublich viele Trainingskilometer – mit meinem neuen Trainer Robert Pawlowsky kam dann anschließend ein komplett neues Trainingskonzept auf mich zu, wesentlich weniger Trainingskilometer, viele intensive Einheiten mit abwechselnden regenerativen Abschnitten, viel noch immer nicht sehr geliebtes Krafttraining an Geräten – für mich in meinem Alter ein unglaublicher Schnitt – aber die Arbeit mit dem Team vom OSP Rheinland hat sich mehr als gelohnt – 2014 und 2015 Doppelweltmeister – was soll ich sagen :).

Hast du spezielle Techniken/dein Markenzeichen ?
Ja sicher, um nicht zu viel der Konkurrenz zu verraten, mein Markenzeichen ist sicher die Ruhe vor den Rennen, „wie Phönix aus der Asche“ habe ich mit meiner Mentaltrainerin Grit Moschke erarbeitet, und eine Stärke ist sicher von mir die sehr akribische Vorbereitung auf die jeweiligen Strecken, scannen, lieben lernen und im Kopf für alle Rennsituationen abspeichern – harte Arbeit mit Trainer und Mentaltrainerin – aber der Erfolg gibt mir recht.

Gab es kritische Momente vor oder bei der Weltmeisterschaft?
In 2015 verlief die Saison wie noch nie vorher, ohne jeglichen Infekt, ohne Sturz oder andere negative Einflüsse, bei der WM in Nottwil war natürlich sehr schade, dass ich als Straßenweltmeister unmittelbar nach der Ziellinie von meinem Freund und Radsportkollegen aus Kolumbien in die Absperrgitter gefahren wurde und statt bei der Siegerehrung geehrt zu werden in der Intensivabteilung der Paraplegiker Klinik behandelt wurde.

Welche Erlebnisse sind dir am wichtigsten? (während deiner Laufbahn oder auch im privaten Leben)
Für mich ist das gesamte Netzwerk so unglaublich wichtig – ich vergleiche es gerne mit einem Präzisionsräderwerk – kleine und große Räder müssen absolut perfekt ineinander greifen – ich als Athlet bin auch nur so gut wie das schwächste Rädchen – Trainer, Betreuer, mein Verein und der DBS, die Verantwortlichen der Abteilung Paracycling, meine Familie und die Freunde, die auf so viel verzichten, damit ich meinen Sport so ausführen kann, wie ich es aktuell tue.
Dazu mein wunderbares Partner-und Förderer Netzwerk, Rahmenbauer, Radsport-und Bekleidungsausrüster, Physiotherapie vor Ort, mein OSP in Köln, Optikerin und ganz viele mehr, ohne die der Sport als Amateur nicht möglich wäre – ein herzliches Veergelt’s Gott an dieser Stelle an alle Begleiter auf meinem Sportweg.

Was ist dein nächst größeres Ziel?
Na, im paralympischen Jahr 2016 ganz klar – die Paralympics 2016 in Rio – gesund mich vorbereiten können und auf den Punkt eingestellt dort mich mit den besten Dreiradfahren der Welt messen – ein größeres Ziel gibt es für mich als leidenschaftlicher Sportler nicht.

Welchem Ort fühlst du dich verbunden? Welchen Ort würdest du als Heimatort bezeichnen?
Ich bin gebürtiger Allgäuer, aus Kaufbeuren, einige Jahre aufgewachsen im oberschwäbischen Biberach an der Riß – aber durch Studium und Liebe bin ich nun bereits mit kurzen Unterbrechungen seit 1983 in Dortmund – meiner Stadt – hier durfte ich mich 2012 ins Goldene Buch eintragen gemeinsam mit den Freunden des Deutschland Achters und Carina Baer – hier ist meine Familie, hier sind meine absoluten Lieblingstrainingsstrecken – Sportmund und sein sportbegeisteter Oberbürgermeister sind meine gelebte Heimat – ohne meine bayrischen Wurzel zu vergessen.

Willst du etwas zu deiner Person sagen? (politisch/sozial engagiert?; Hobbys?)
Aktuell sind die Vorlieben, Leidenschaften und Hobbies etwas im Hintergrund, der Sport für Menschen mit Behinderung ist im Mittelpunkt meines Lebens. Daher freue ich mich auf ruhigere Phasen in denen ich wieder musizieren und Chor singen kann, gerne in die Dortmunder Oper oder zu Konzerten in der Bochumer Zeche oder in den Multiarenen Köln und Düsseldorf mit Freunden gehen kann. Was ich mit neben dem Dreiradsport immer gönne sind die gemeinsamen Stadionbesuche beim Dortmund BVB – am liebsten gegen meine Bayern :).
Gerne engagiere ich mich in unserer Kirchengemeinde und in der Männerkirche Deutschland, daneben bin ich „PEER“, Begleiter von Neuverunfallten der Berufsgenossenschaften im Sinne eines Mutmachers.
Auch habe ich bereits den Trainerschein in Duisburg absolviert und bereite ein wenig mein Lieblingsthema Inklusion und gezielte Sichtung von Sportlern mit Behinderung in NRW und gerne darüber hinaus vor – aber keine Angst – ein wenig möchte ich schon noch in der weltweiten Paracycling Familie mitmischen. Gerne kannst du uns auch zusätzlich schreiben was dich bewegt oder was du zu deinem Sport sagen willst.

 


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